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Biedermeier

In der Zeit zwischen dem Wiener Kongress und der Revolution von 1848 bildete sich in Deutschland ein Stil heraus, der die Biederkeit des bürgerlichen Lebens widerspiegelte. Das gesellschaftliche Klassensystem mit dem Adel wurde gestärkt. Die Bürger zogen sich immer mehr in die private Idylle zurück. In der Malerei, Literatur und der Musik war die Romantik das zeitgeistliche Gegenstück zum Biedermeier.

Der Begriff Biedermeier entstand erst durch die Münchner Satire-Zeitschrift „die fliegenden Blätter“. Dort nahm man mit der fiktiven Person des „Gottlieb Biedermaier“ die biedere, ins Private zurückgezogene Bürgerschaft aufs Korn.

Gegebenenfalls ist auch der Maler Carl Spitzweg bekannt „der arme Poet“. Spitzweg bannte das biedermeierische Lebensgefühl – auch wenn es damals den Begriff noch nicht gab – weniger kritisch aber doch augenzwinkernd auf Leinwand.

Biedermeier Wohnzimmer um 1830
Fig.1 - Biedermeier Wohnzimmer um 1830. (Quelle: Wikimedia Commons)

Merkmale vom Biedermeierstil

  • Keine Ornamente
  • Bei Kommoden ggf. Ecksäulen
  • Lyra-Motiv
  • Einfache Formen
  • Hellere Holzarten

Biedermeierstil

Der Biedermeierstil zeichnet sich jedoch im Gegensatz zum Empire oder dem englischen Chippendale durch elegante Schlichtheit aus.

Der Biedermeier eben nicht in stilgebenden Ornamenten, sondern gerade im Fehlen von Schnörkeln, Verzierungen und romantischem Dekor. Die einzigen Ornamente, welche im Biedermeier regelmäßig anzutreffen sind, sind bei Kommoden Ecksäulen und das Lyra-Motiv.

Typisch für die Möbel der Biedermeierzeit sind zudem einfache Formen und flächige Fronten ohne Absätze, was vor allem bei Schränken und Kommoden der Fall war. Verwendet wurden in der Regel Kirsche, Birne, Nussbaumholz, Pappel, Eibe und auch Birke. Die Hersteller verwendeten die natürliche Maserung der Furniere als natürliches Muster der Biedermeier-Möbel.

Die Holzarten für die Möbel waren allesamt hell. Es wurden nur sehr selten dunkle, schwere Hölzer verwendet. Die hellen Hölzer wurden dunkel gebeizt und schellackiert.

Biedermeier heute

Kaum jemand wird heute seinen Wohnraum durchgehend im Stil des Biedermeier einrichten. Möbel im Biedermeier sind dennoch durchwegs gefragt. Denn durch die „Schnörkellosigkeit“ der Biedermeier-Möbel, lassen diese sich in der Einrichtung durchweg mit modernen Wohnstilen vereinbaren.

Das betrifft einerseits den Landhausstil. Biedermeiermöbel bringen etwas von der privaten Idylle in das heutige Zimmer, die der heutigen Sehnsucht nach Landhausidylle entspricht. Romantisch veranlagte können zum Beispiel Vintage-Möbel gut mit Möbel im Biedermeierstil verbinden.

Auch als Kontrastpunkt zu Art Deco, Bauhaus, modernistischen Möbeln „form follows function“ und postmodernen Einrichtungen „function follows form“ sind Möbel im Biedermeierstil hervorragend geeignet.

Tip zum Online-Shopping

In manchen Antiquitäten-Online-Shops wird auch der Begriff „Gründerzeitmöbel“ verwendet. Dieser Begriff ist ist jedoch stilgeschichtlich nicht definiert. Die Gründerzeit beschreibt den wirtschaftlichen Aufschwung in Mitteleuropa in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum ersten großen Börsenkrach 1873. „Gründerzeit“-Bürger mögen Biedermeier Möbel gekauft haben, können aber auch andere Stile dieser Zeit eingekauft haben.

Wer Biedermeiermöbel als Antiquitäten sucht, sollte bei Online Angeboten, die mit „Gründerzeitmöbel“ werben, vorsichtig sein. Denn dahinter verbergen sich in der Regel nachgemachte Möbel ohne stilistische Bestimmung, die „irgendwie“ nach dem 19. Jahrhundert aussehen, und keinen antiquarischen Wert besitzen.

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