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3
Oktober 2013

Interview mit Catherine Hug von HyggeLIG

Catherine Hug Portrait

Ich freue mich, heute Catherine Hug vorzustellen. Sie betreibt den Blog HyggeLiG.

Hier kannst du den Audio hören (für alle die, die nicht lesen möchten):

Wie kamst du denn dazu, einen Blog zu schreiben?

Ich habe beispielsweise angefangen, meinen Heizkörper anzustreichen. Ich habe ihn gelb angestrichen und in der nächsten Woche war er dann grün. Meine Eltern haben mir glücklicherweise in meinem Zimmer ziemlich viel Spielraum gelassen, um mich kreativ auszutoben. Das war schon immer meine Leidenschaft.

Studiert habe ich Publizistik und habe mich im Rahmen meines Studiums wahnsinnig viel mit Social Media auseinandergesetzt. Damals gab es noch nicht einmal den Begriff “Social Media”. Facebook gab es auch noch nicht, als ich meine Magisterarbeit geschrieben habe. Blogs gab es gerade schon so, und darüber habe ich dann auch mein Diplom geschrieben. Deswegen lag es ziemlich nahe, daß ich schnell in der Unternehmenskommunikation angefangen habe; und zwar im Bereich Online-PR. Als 2007 meine Tochter zur Welt kam, wollte ich in der Babypause unbedingt weiter schreiben. Daher lag es nahe, daß ich die Leidenschaften verbinde: Das, was ich sowieso den ganzen Tag mache: Basteln, Umräumen und darüber dann zu schreiben.

Du machst den Blog jetzt schon 5 Jahre?

Genau - 2008 ist er online gegangen

Hat er sich mit der Zeit verändert?

Er hat sich schon mit der Zeit verändert. Ich hatte am Anfang eine andere Blog-Software von einem amerikanischen Anbieter. Ein Bausteinsystem, bei dem ich nicht selbst programmieren musste. Das war alles noch sehr basic und ich bin jetzt vor ein paar Monaten auf Wordpress umgezogen und habe ein vernünftiges Design gemacht und Header geändert. Das sieht jetzt schon ganz anders aus als vor 5 Jahren als ich gestartet haben. Auch inhaltlich braucht es manchmal seine Zeit bis man seine eigene Linie findet.

Du hattest ja vor kurzem ein größeres Redesign

Ja, genau das war genau der Umzug. Eine Freundin hat noch am Design geschraubt, damit es schön aussieht.

Woher bekommst du denn deine Inspiration?

Das ist so eine Mischung aus leerem Raum der vor mit ist, aus irgendwelchen Bedürfnissen die so bestehen - wäre es nicht schön wenn man mit der Ecke was total abgefahrenes machen könnte?- und Sachen die mir so draußen über den Weg laufen oder auch Wohnzeitschriften oder etwas, das ich in meinem Alltag entdecke.

Heisst das, daß du relativ viel bei dir Zuhause veränderst? Kann es sein daß man in Sechs-Monatsabständen zu Dir nach Hause kommt und dann alles verändert ist?

Es geht so. Ich bin z.B. grundsätzlich überhaupt kein Deko-Typ, der Zeugs auf die Kommode stellt und jeden Monat umsortiert oder so. So was sind für mich Staubfänger, das nerven mich eher. Ich versuche schon immer solche Sachen zu machen die Bestand haben, die aber trotzdem auch ein bisschen flexibel und verändrebar sind. Ich habe z.B. gestern super olle Regale auf dem Flohmarkt gekauft. Ich mag eben solche Dinge, die qualitativ bestand haben und vielseitig einsetzbar sind. Das hat sich auch bei den zirka 10 Umzügen in meinem Leben sehr rentiert. Wenn man einfach gute Möbel hat, die einen Umzug aushalten und die man in jedes Zimmer stellen kann.

Quasi ein Möbelstück für mehrere Sachen benutzen, oder? Christiane, meine Frau, ist ein Fan von Möbelstücken, die sie für mehr als nur eine Sache nutzen kann.

Das finde ich auch schön. Ich habe eine Kommode, die begleitet mich schon ewig und die ist manchmal Kleiderschrank, manchmal steht sie im Flur, oder es sind Kindersachen drin und sie steht im Kinderzimmer...

Ich glaube du machst auch relativ viel selbst. Du kaufst nicht so gerne von der Stange - zumindest sieht es in deinem Blog so aus.

Ja, das stimmt. Ich mache unheimlich gerne etwas selbst. Ich lackiere ziemlich viele Sachen neu oder bearbeite altes Holz ein bisschen oder mache kleinere handwerkliche Sachen. Große Projekte wie "ich schreinere jetzt ´ne Bank" mache ich aber nicht. Bisschen verschönen, verändern oder zweckentfremden von Gegenständen, die man schon hat das - finde ich immer toll! Gerade, wenn man alte Sachen findet und diese dann einen neuen Sinn bekommen und plötzlich wieder im ganz neuem Glanz erstrahlen.

Mischst du auch Flohmarktfunde mit neuen Sachen?

Ja, auf jedem Fall. Ich kaufe sogar bei IKEA ein. Es gab eine Zeit, da hatte ich die Einstellung: "Ich will nichts von IKEA haben!". Aber es gibt einfach manchmal so Sachen wie Küchenschränke, die man einfach braucht . Wenn man dann in 10 Jahren etwas findet, um das Ikea-Stück zu ersetzen, ist das toll. Ich habe da überhaupt kein Problem damit. Ich entdecke auch manchmal neue Sachen oder neue Design-Klassiker. Es gibt ja so ein paar Stücke, die neu auf den Markt kommen, da sieht man gleich - "Wow, die finde ich sogar noch in 20 Jahren supergeil!".

Ich finde so ein Billy Regal braucht man irgendwie schon in der Wohnung.

Ja! Und ich habe auch ein paar PAX Schränke. Ich habe jetzt sogar ein Hochbett von IKEA gekauft. Also, das kann man schon machen. Ich finde es nur doof, wenn die ganze Wohnung danach aussieht, weil dann eben wenig Persönlichkeit drin ist.

Unsere Bücherregale sind alle Billys. Die sind optimal dafür.

Ja, aber ziehe bloß nicht zehn mal damit um!

Bisher sind wir noch nicht damit umgezogen aber ich weiß, was du meinst. Mittlerweile ist schon ein Boden abgefallen. Man kann ja auch IKEA-Möbel persönlich gestalten. Wir arbeiten beispielsweise mit Saustark-Design zusammen. Die verkaufen individuell hergestellte Überzüge für IKEA Polstermöbel und Stühle. Dadurch sieht das Sofa dann nicht mehr aus wie von IKEA.

Das habe ich mit Begeisterung gesehen! ich habe mir nämlich kürzlich ein Kivik-Sofa ausgesucht und weiß jetzt, daß man da noch was machen kann, wenn´s mir nicht mehr gefällt.

Ist es Dir sehr wichtig, eine schön eingerichtete Wohnung zu haben?

Ja auf jedem Fall. Ich muss mich da zu Hause fühlen. Und ich muss das Gefühl haben, daß meine eigenen vier Wände mein Rückzugsort sind. Daß sie meine Persönlichkeit widerspiegeln und Ecken und Kanten haben. Auch ein bisschen Charakter durch alte Möbel ist mir sehr wichtig.

Machst du das dann auch mit deiner Tochter zusammen?

Also meine Tochter darf immer mehr dazu sagen. Am Anfang, als sie noch ganz klein war, habe ich Ihr Kinderzimmer eingerichtet und gestylt. Sie hatte nichts damit zu tun. Inzwischen hat sie einen extrem starken Charakter und zu allem eine sehr ausgeprägte Meinung und ist sehr dankbar, daß ich ihr mittlerweile in ihrem Kinderzimmer viel Gestaltungsspielraum lasse. Meistens ist es so, daß ich ihr einen bestimmte Rahmen gebe. Wir richten jetzt gerade dieses Zimmer ganz neu ein und sie hatte sich gewünscht, daß die eine Wand bunt werden soll. Daher habe ich ihr eine Auswahl an Tapeten vorgelegt. Auch bei anderen Sachen kann sie aus einigen Alternativen auswählen. Wenn sie dann etwas findet, was ihr gefällt, hat sie das Gefühl, daß sie das komplett eigenständig ausgesucht hat. Sie ist auch erst fünf. Sie fängt hoffentlich noch nicht an die Heizungskörper umzulackieren.

Wie siehst du die Zukunft von "HyggeLiG" Oder wie spricht man es denn genau aus?

Also, auf dänisch spricht man die "g's" nicht so richtig mit. Ich sage schon "Hüggelig", weil es ja ein deutscher Blog ist. Auch, wenn es ein dänischer Begriff ist. Naja, ich hoffe da kommen noch ganz viele weitere Ideen und Beiträge dazu. Auch von anderen Lesern. Ich freue mich immer total über die Sammlung der Spielküchen die so ein sehr langer Selbstläufer sind.

Die sind total cool. Die habe ich mir durchgeschaut - die sind echt super!

Ich bin immer schwer beeindruckt und begeistert. Ss fing an mit einer Spielküche, die ich meiner Tochter 2009 für ihren zweiten Geburtstag gebaut habe. Ich bekomme in regelmäßigen Abständen Mails von Lesern mit Fotos von Ihren Spielküchen - unaufgefordert. Ich freue mich da immer riesig und würde mir wünschen, daß ich da noch mehr Kategorien ausbauen kann. Mehr von Lesern, da ich spannend finde, was die so bauen und man das sonst nirgends im Netz so findet. Viele haben keinen Blog. Ansonsten hoffe ich einfach weiter eine Inspirationsquelle für andere zu sein und ein bisschen Anregungen zu liefern. So, daß es weiter wächst und größer wird.

Machst du den Blog eigentlich vollzeit?

Das wäre schön und mein Traumjob!

Das wäre sozusagen die Zukunft?

Ja, genau! Das wäre so meine ganz persönliche Utopie, irgendwann davon zu leben. Aber momentan ist das nur ein sehr kleiner Zuverdienst mit einem sehr großen Feedback. Ich mache das zum großen Teil deswegen, weil ich mich eben über die Reaktionen der Leser so freue. Darüber, daß ich Feedback bekomme und weil ich es auch sowieso mache und liebe und gar nicht anders kann. Des Geldes wegen muss ich leider noch andere Dinge tun.

Es wäre nicht der erste oder der letzte Blog, der ein Vollzeiteinkommen erzielen könnte.

Stimmt, es gibt ja auch schon so Möglichkeiten. Es wächst immer mehr und es gibt auch Werbe- und Partnerschaftsanfragen, die durchaus ein bisschen Geld in die Kasse spülen. Daher bin ich da auch sehr positiv.

Tags: kinder messe
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