Spitzenkunde

Spitzenkunde

Spitzen sind nach ihrer Zackenform benannte, durchbrochene, flächige Gebilde aus textilen Fäden, bei denen das Muster mit Füllungen und Aussparungen selbst die Fläche bildet; unabhängig von einer Stoffunterlage - im Gegensatz zu spitzenähnlichen Stickereien. Es sind textile Schmuckartikel, die als Kanten, Zacken, Besätze, Endungen, Abschlüsse oder Einsätze verwendet werden. Sie sind in unregelmäßiger Fadendichte netzartig und durchbrochen aufgebaut und bilden in ihren dichten Stellen Figuren aller Art.

Je nach Herstellung unterscheidet man heute zwischen den von Hand sowie den mechanisch gefertigten Spitzen. Nach klassischer Definition gehören zu den echten Spitzen nur die von Hand gefertigten und nicht ohne weiteres auftrennbaren Nadel- und Klöppelspitzen sowie die irischen Häkelspitzen. Maschinell gearbeitete Spitzen zeichnen sich durch eine besonders große Regelmäßigkeit des Grundes und der Muster und ein gleichbleibend präzises Ergebnis aus. Zu gliedern sind Spitzen nach der Herstellungstechnik in Flecht- und Klöppelspitzen, gewebte und gewirkte (gehäkelte) Spitzen sowie gestickte Spitzen, bei welchen der Grundstoff nach dem Besticken auf chemischem Wege entfernt wird, sodass lediglich die Stickerei übrig bleibt (Ätzspitzen).

In der kulturgeschichtlichen Entwicklung sind Spitzen eines der wenigen textilen Erzeugnisse, deren Ursprung allein mit dem westlichen Kulturkreis verbunden ist. Zur Zeit der Renaissance wurde in Italien die Entwicklung der handwerklichen Kunst zu höchster Blüte gebracht. Die künstlerische Ausdruckskraft des einfachen Volkes zeigt sich auch in der Kunst der Nadelspitzenarbeit, die sich nach und nach aus Druchbruchstickereien entwickelte, d.h. durch Ausziehen von Fäden aus feinen Stickereien in beiden Richtungen, bei denen man schließlich das Gerüst aus Kett- und Schussfäden durch geflochtene Bänder ersetzte und später durch Fäden, die den Stichen Halt gaben. Die Nadelspitzenentwicklung kam in der zweiten Hälfte des 16. Jhs. in Oberitalien auf und verbreitete sich bald in ganz Europa. In Frankreich entstanden im 17. Jh. wichtige Zentren in Alençon und Valenciennes, zur gleichen Zeit wurde die Entwicklung auch in Spanien aufgenommen. Die Besonderheit der spanischen Spitzen war die Verwendung von Goldfäden, die dicht mit bunter Seide umstickt wurden. Im 18. und 19. Jh. wurde Flandern mit den Städten Brüssel, später Brügge in der Herstellung von Nadelspitzen führend.

Das Klöppeln hat sich aus dem Prinzip des Flechtens entwickelt. Führend in dieser Technik waren die Italiener, Spanier, Belgier (Brüsseler Spitzen), die Brabanter und die Franzosen (Valenciennes-Spitzen), die sich mit sehr feinen, zarten und sehr kostbaren Handklöppelspitzen einen Namen machten. So stammt der geklöppelte, großmaschige, wabenförmige Spitzengrund aus der französischen Stadt Tulle, nach der bis heute alle durchbrochenen, ungemusterten sechseckigen Stoffe benannt werden, dem sogenannten Tüll. Um die Einführung und Verbreitung der Klöppeltechnik in Deutschland machte sich die sozial denkende Barbara Uttmann verdient, die 1561 das Klöppeln in Annaberg im sächsischen Erzgebirge einführte, als der Silberbergbau zu Ende ging. B. Uttmann wurde eine der bedeutendsten Unternehmerinnen der Spitzenindustrie und hat auch Anteil an der industriellen Entwicklung des Spitzenklöppelns.

Allein durch die hohen Materialkosten für die Herstellung der immer feineren Leinenfäden und den hohen Zeitaufwand wurden von Hand gearbeitete Spitzen zum Ende des 19. Jhs. immer teurer und zu einem ausgesprochenen Luxusartikel, den sich nur Adel und Geistlichkeit leisten konnten. Beschleunigt durch die Revolution und die frühen Napoleonischen Kriege (1789-1803), durch veränderte gesellschaftliche Verhältnisse und den Zwang zu größerer Sparsamkeit neigte sich die Vorherrschaft besonders der französischen und flämischen Spitzenindustrie ihrem Ende zu.

Der Übergang vom Manufakturzeitalter zum Industriezeitalter, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. vollzog, verhalf auch der Spitzenherstellung zu neuer Blüte. Die große Anzahl von Spitzenarten, die sich im Verlaufe von drei Jahrhunderten entwickelt haben, erfuhr schließlich im Aufbau der industriellen Spitzenproduktion eine Wiedergeburt als Schmuckelement. Maschinell gefertigte Spitzen konnten zu erschwinglichen Preisen auf den Markt gebracht werden. Sie wurden bereits zu der Zeit als durchaus gleichwertig mit handgearbeiteten Spitzen angesehen und waren durch gelungene Imitationen oft nur schwer von echter Spitze zu unterscheiden. Als Material diente Baumwolle feinster Qualität, das in der Stärke etwa dem Leinenfaden des frühen 18. Jhs. entsprach, woran Maschinenspitzen des 17. und 18. Jhs. häufig erkannt werden. In dem Bemühen, die Eigentümlichkeiten der von Hand angefertigten Spitze mittels Maschinen nachzustellen, gelangte man zu Erfindungen, die das Gebiet der Maschinenspitzen immer mehr erweiterten. Die alte handwerkliche Kunst bleibt jedoch auch in maschinell angefertigten Spitzen weiterhin lebendig.

Klöppelspitzen (z.B. Valenciennes-Spitzen, Brüsseler-Spitzen)

Klöppeln stellt das musterungsmäßige Verkreuzen und Drehen zweier oder mehrerer Fadenpaare dar. Die Mustervorlage, der Klöppelbrief, wird auf einem Kissen befestigt und das aus der Anzahl der zu verarbeitenden Fäden gebildete Fadenbündel auf den Klöppelbrief gesteckt. Auf die in der Mustervorlage markierten Punkte werden Stecknadeln gesetzt, die die verdrehten und verschlungenen Fadengruppen so lange halten, bis sich die Verflechtungen nach Arbeitsfortschritt verfestigt haben. Durch Hinzunahme zusätzlicher Fäden, stetes Wechseln derselben untereinander und Abgrenzen der Formen mittels der eingesteckten Nadeln gelangen die Drehungen und Kreuzungen, Schläge genannt, zur Musterbildung. Ohne die durch das Nadelstecken erzwungenen Haltepunkte für die verflochtenen Fäden würde die Verflechtung kein Muster ergeben. Die unterschiedlichen Schlagarten, mit denen geklöppelt wird, heißen Flechte, Formenschlag, Leinenschlag, Löcherschlag, Gimpenschlag etc. Hierzu kommt noch die Musterung des Grundes, z.B. Tüllgrund, Erbsgrund, Brüsseler Grund, Droschelgrund (sechseckig) und das Flechtnetz.

Nadelspitzen (z.B. Alençon-Spitzen) Bei der echten Nadelspitze wird das meist auf farbigem Papier vorgestochene Muster auf Leinwandstreifen oder Wachstuch gelegt, durchgestochen und vorgenäht. Diese Unterlage bildet den Stickboden für die Nadelspitze. Die Musterformen werden mit einem Schling- oder Knopflochstich ausgenäht oder verbunden. Nach Fertigstellung der Spitze wird die Unterlage entfernt. Abschließend wird die Nadelspitze gespannt. Im weitesten Sinne gehören zur Gruppe der Nadelspitzen alle genähten Spitzen, so z.B. die Solspitze, Applikationsspitze mit genähten Motiven und die Bändchenspitze.

Häkelspitzen Mit Hilfe von Nadeln (Haken- oder Häkelnadel) in Handarbeit gefertigte Spitze, bei der das Garn ohne Unterlage (frei und in der Luft, wie bei der Nadelspitze) zu Schlingen geformt wird. Die kettenstichähnliche, ineinanderhängende Schlingenform wird zu Mustern zusammengefügt. Es entsteht die Häkelspitze, die auch als Irische Spitze bekannt wurde.

Knüpfspitzen

Diese Spitze gilt als der Vorläufer der Klöppelspitze und zählt mit zu den ältesten textilen Techniken. Hierbei werden die Fäden durch Knoten miteinander verschlungen, wodurch ein textiles Geflecht entsteht. Die Muster bilden sich entweder durch die Verschiedenartigkeit der Knoten oder durch unterschiedliche Materialien bzw. Farben. Die auch als Makramee bezeichnete Knüpftechnik unterscheidet sich von der geknoteten Nadelspitze dadurch, dass ähnlich wie bei der Klöppelarbeit einzelne Fäden abgeschnitten und durch jeweils verschiedene Knoten miteinander verbunden werden. Die den Abschluss eines Gewebes bildenden Fransen der Kette werden meist kunstvoll zu einem spitzenähnlichen Gebilde zusammengeknüpft.

Bobinet-Spitzen

Die von dem Engländer Heathcoat im Jahre 1808 entwickelte Bobinet-Maschine (bobbin = Spule, net = Netz = Tüllmaschine) und nachfolgende Erfindungen sowie die spätere Kopplung mit dem von dem Franzosen Jacquard konstruierten und mit gelochten Karten arbeitenden Musterungsapparat machten zunächst die Bobinet-Spitzenmaschine zu dem vielseitigsten und vollkommensten Instrument auf dem Gebiet der Spitzenerzeugung. Artikel wie Bobbin-fining-Spitzen, Valenciennes-Spitzen, Chantilly-Spitzen oder Centre-gimp-Spitzen sind heute kaum mehr bekannt. Ihre künstlerische Gestaltung zeigt eine enorme Vielfalt und Phantasie. Obwohl die Entwicklung über die Technologie der Bobinet-Herstellung hinweggegangen ist, gibt es auch heute noch Bobinet-Webereien, die sich in Spezialbereichen und Marktnischen erfolgreich behaupten.

Häkelgalon-Spitzen

Die auf einer speziellen Kettenwirkmaschine in der sogen. Häkelgalon-Technik hergestellte Spitze erreicht große Ähnlichkeit mit der handgehäkelten Spitze, hat jedoch durch die Entwicklung der Raschel-Technik in der heutigen Zeit für die Spitzenherstellung nur noch einen geringen Anteil.

Raschel-Spitzen Die bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jhs. (etwa ab 1780) zur Spitzenherstellung eingesetzte Kettenwirkmaschine wurde später (ab 1859) bekannt als Raschel-Maschine. Die heute auf diesen Maschinen mit Hilfe der Jacquard-, Multibar-, Jacquardtronic®- und Textronic®-Technik hergestellten Spitzenerzeugnisse erreichen durch den Einsatz von High-Tech eine beinahe unbegrenzte Variationsbreite der spitzenartigen Musterung sowie ein Höchstmaß an mustertechnischen Möglichkeiten bei Einsatz der verschiedensten Materialien und haben eine beherrschende Marktstellung erworben (ca. 75%).

Klöppelspitzen (mechan.)

Feinfädiges, gemustertes, durchbrochenes Flächengebilde mit unregelmäßiger Fadendichte. Die durch eine Jacquardmaschine gesteuerten Klöppelfäden verkreuzen sich derart, dass sie in schräger Richtung zu den Warenkanten stehen. Klöppelspitzen werden als Einsätze, Bordüren etc. verwendet. Das Handklöppeln wird auf der Barmer-Klöppel-Spitzenmaschine technisch nachempfunden. Hierbei laufen die Klöppel auf kreisförmig angeordneten Bahnen. Die Ware wird für Posamentenkollektionen eingesetzt. Mechanisch geklöppelte Breitware gibt es nicht.

Das Angebot beschränkt sich im wesentlichen auf den Bereich der Accessoire-Artikel zum Schmücken, Zieren und Ausstatten von Haustextilien. Maschinell hergestellte Spitzen werden bes. im Gardinenbereich eingesetzt.

Benannt nach der gleichnamigen franz. Stadt in der Normandie, die seit 1665 die franz. Spitzenindustrie beherbergt. Die A. ist eine leichte, elegante Rokokospitze (s. Nadelspitze) mit zarten Mustern auf sechseckigem Grund. Kennzeichen: Feste Umrahmung der Musterkonturen; die Muster selbst sind in Form von Blüten und Blättern vertieft eingearbeitet.

Bezeichnung für die in Annaberg/Erzgebirge hergestellte Klöppelspitze. Um die Einführung der Klöppeltechnik machte sich die sozial denkende Barbara Uttmann verdient, die 1561 das Klöppeln in Annaberg einführte, als der Silberbergbau zu Ende ging. B. Uttmann wurde eine der bedeutendsten Unternehmerinnen der Spitzenindustrie und hat auch Anteil an der industriellen Entwicklung des Spitzenklöppelns.

Nachbildung einer Spitze durch Stickerei. Sie wurde erstmalig 1883 in St. Gallen/Schweiz gefertigt und auch als Luftstickerei bezeichnet. Der zunächst für das notwendige Sticken benötigte Stickgrund wird nach dem Besticken weggeätzt, sodass nur noch die Stickarbeit erhalten bleibt. Das Ergebnis ähnelt der alten Brüsseler- oder venezianischen Spitze und wird auch als Guipure- oder Luftspitze bezeichnet, d.h. Spitze ohne Grund. Ätzspitzen lassen sich in jeder Breite herstellen. Es gibt sie als schmale Borte ab 1 cm, in Breiten zwischen 65 und 90 cm sowie als all-over (Bez. für Meterware) in 150 cm Warenbreite.

Klöppelspitze aus der Provinz Brabant. Der Begriff wird abwertend im Vergleich zur feineren Brüsseler Spitze verwendet, bezieht sich aber auf Erzeugnisse aus derselben Region.

Sammelbezeichnung für verschiedene Spitzen, die seit dem 16. Jahrhundert im Brüsseler Raum und der Provinz Brabant bzw. in dieser Art hergestellt wurden. Ursprünglich wurden die Spitzen durch getrenntes Klöppeln von Grund und Muster und nachfolgendes Zusammennähen gefertigt.

Eine in Bobinettechnik gewebte Spitze, die in ihrem Aufbau einer handgeklöppelten Spitze sehr nahekommt. Um diesen Effekt zu erreichen, werden schnurenartig gedrehte Gimpenfäden musterungsgemäß in die Ware eingearbeitet; sie ergeben einen reliefartigen Warencharakter. Im Gardinenbereich kommen sie aufgrund ihrer Fülligkeit meistens nicht zum Einsatz.

Kostbare französische Klöppelspitze, fast immer schwarz, meist aus Seide. Die vorwiegend floralen Motive sind auf Netzgrund mit rundlicher Masche gearbeitet.

Zur Herstellung von Deckchen etc. meist aus weißem oder naturfarbigem, hartem, netzartigem Leinen- oder Baumwollgrund. Mit der Filetnadel werden die einzelnen Quadrate ausgefüllt und zur Spitze erweitert.

Niederländische Klöppelspitze zur Zeit des Barocks. Hieraus entwickelten sich später die Brüsseler-, Mechelner- und die Valencienne-Spitzen.

Einfachste Form der Klöppelspitze, die in der sogen. Vierflechte hergestellt wird, wobei die sich begegnenden Klöppelfäden im wesentlichen das Muster bilden. Dieses ist geometrisch angelegt und hat runde oder spitzzackige Enden, innerhalb welcher sternartig auslaufende, durch die Flechte gebildete Linien stehen. Auch als Besatzspitze bezeichnet.

Der Formenschlag ist eine besondere Technik der Klöppelspitze. Diese Spitzen zählen zu den edelsten dieser Art. Der Formenschlag ermöglicht es, runde Formen herzustellen, sodass man reichgegliederte Sterne und Rosetten, menschliche und tierische Figuren ausführen kann, welche die Zierfüllungen der Quadrate bilden (Genueser Spitzen). Die Technik ist vergleichbar mit den wollenen Schussfäden, die die leinenen Kettfäden beim Herstellen von Wandteppichen (Gobelins) bedecken.

Guipure war ehemals die Bezeichnung für Gimpenschnur. Heute ist es die Bezeichnung für meist sehr wertvolle Spitzen, die so ausgedehnt wurde, dass sie keine konkrete Bezeichnung mehr sein kann.

G. -Spitze bezeichnet im einzelnen:
• Besatzspitze aus Gimpe geklöppelt,
• weiße Klöppelspitze mit Konturfaden,
• Klöppelspitze ohne Grund,
• in Frankreich Spitze mit Steggrund,
• alle Spitzen ohne Grund (over-loop).

Feine englische Klöppelspitze. Sie gilt als die hochwertigste englische Spitze eigener Schöpfung. Benennung nach dem Ort Honiton in der englischen Grafschaft Devon. Typische Motive sind Distel, Farn, Kleeblatt, Passionsblume und Rose.

Ursprünglich in Häkeltechnik und von Hand gefertigte Spitze. In Irland ist die Herstellung bereits 1824 aufgenommen worden und wurde später auch auf andere Techniken erweitert..

Der Leinenschlag ist eine Grundbindungsart der Klöppelspitzentechnik. Die Leinenschlagspitze ist eine durch den Leinenschlag gebildete Spitze, bei der die Musterung durch den Leinenschlag hergestellt wird. Zu dieser Gruppe gehören auch die Posamentier- oder Gimpenspitzen, da sie in ihrem Erscheinungsbild eher dekorativ wirkende Besätze sind. Baumwolle, Wolle, Silber und Gold waren das vorherrschende Material.

In einen regelmäßig gearbeiteten Netzgrund, der die Formen angibt, trägt, verbindet und zusammenhält, werden zusätzlich die Muster eingebracht. Der Netzgrund ist bei diesen Spitzen, die mit kräftigem Leinenfaden ausgeführt sind, einfach und mehr oder weniger dicht gebildet und der Dicke des Fadens, der Größe des Musters oder der Verwendungsart der Spitze entsprechend. Herstellungsorte waren Flandern (Brügger Spitze), Brabant und Mailand.

Macramé bezeichnet eine Knüpftechnik, die wahrscheinlich arabischen Ursprungs ist. Das M. unterscheidet sich von der geknoteten Nadelspitze dadurch, dass - wie bei der Klöppeltechnik - einzelne Fäden abgeschnitten und miteinander verbunden werden. Die Knotenform kann dabei unterschiedlich ausgeführt sein. Den Abschluss bilden Fransen. In falscher Auslegung des Begriffes werden heute Ätzstickereien, die für Gardinensockel eingesetzt werden, auch als Macramé bezeichnet.

Nach der italienischen Stadt benannte Klöppelspitze in Leinenschlag- und Leinenrissmusterung. Bei dem Leinenriss bildet ein Band im Leinenschlag das Muster. Die barocke Bandform zeigt geschwungene Bögen und Ranken, die sowohl ohne Stege als auch mit Stegen zusammenhängen.

Schon im alten Ägypten und in China gebräuchliche Methode, mit einem oder mehreren Schiffchen den Musterfaden zu schlingen und zu knoten, sodass Bogen und Ringe entstehen, die man dann zu Mustern miteinander verbindet. Gelegentlich werden die Ringe und Bogen noch zusätzlich durch kleine Ösen (sogen. Picots) verziert. Die O. wird auch als Schiffchenspitze bezeichnet und ist auch für Applikationen geeignet. Einsatz: z.B. Deckchen etc.

Meist auf Leinwand ausgeführte stickereiähnliche Musterung, die durch Ausschneiden von Teilen und Verbinden der Muster durch Stege hergestellt wird, sodass ein stickereiähnliches Muster entsteht. Ggs. Ätzstickerei.

Die auch als Ätz- oder Luftspitze bezeichnete Spitze ist eine Nachbildung der Spitze durch Sticken. Die Motive werden auf dem Stickboden durch Verbindungsstiche so miteinander verbunden, dass beim Entfernen des Stickbodens durch ein Ätzverfahren das fertige Stickereierzeugnis in sich zusammenhält.

Keine Spitze im eigentlichen Sinne, sondern eine nach verschiedenen Ausführungen gearbeitete Stickerei auf Tüll. Zentren dieser Technik waren ursprünglich Irland und Wien.

Benannt nach der nordfranzösischen Stadt Valenciennes. Sie gilt als die feinste und kostbarste Handklöppelspitze, die mit einer großen Klöppelzahl gearbeitet wird (bis zu 800 Klöppel je 10 cm Warenbreite), weshalb sie selten über 10 cm breit ist. Die Musterung erfolgt im Leinenschlag, der Maschengrund ist variabel gestaltet. Grund und Muster (Tulpen, Nelken, Anemonen) werden nach dem Prinzip der Ziernetzspitze gleichzeitig geklöppelt. Für Besatzzwecke vorwiegend im Wäschebereich werden sehr gute Nachahmungen als Bobinet-Spitze hergestellt.

Die wohl feinste Gruppe der Klöppelspitze, die im 18. Jh. als der Höhepunkt der Klöppelarbeit bezeichnet wurde. Unter Verwendung überaus feiner Fäden wurden alle bekannten Schläge variantenreich eingesetzt und Muster von außerordentlicher Feinheit und Vielfalt geklöppelt wurden. Auch als Valenciennes-Spitzen bezeichnet.

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