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Gründerzeit

Gründerzeitmöbel sind schwergewichtig und historisierend. In welchen speziellen Fällen Ihr Gründerzeitmöbel einsetzen und mit der übrigen Einrichtung kombinieren könnt, hängt stark von der Raumfläche ab, die Ihr zur Verfügung habt.

Die Ikonen des Gründerzeit-Stils sind so etwas wie die Triumphbögen des Bürgertums, als es nach der wirtschaftlichen auch die kulturelle Führung in der Gesellschaft übernahm. Das war in Deutschland um 1870 der Fall und ging mit der Reichsgründung einher. Nach dem Sieg im Krieg über Frankreich herrschten zudem noch ideale Bedingungen für das Prosperieren des Staatswesens. Die industrielle Revolution konnte sich endlich in Deutschland frei entfalten und brachte eine Fülle von Unternehmensgründungen mit sich. Es war Gründerzeit. Weite Teile des Bürgertums gelangten zu Wohlstand und repräsentierten diesen mit einem eigenen Stil, zu aller erst in Architektur und Einrichtung, den Domänen des Unternehmertums.

Interessant ist, dass dabei ein Rückgriff auf vergangene Epochen erfolgte, in denen das Bürgertums bereits ein große Rolle gespielt, jedoch noch keinen angemessenen Anteil an der Macht hatte. Als wolle man dies jetzt alles nachholen, flossen die Wucht der Gotik, die Logik der Renaissance und der Schmuck des Barock in einen Stil ein, der vor allem eins bezweckte: Repräsentation. Auf die Einrichtung bezogen bedeutete das große voluminöse Möbel mit Zierrat aus allen Epochen. Aus der kleinbürgerlichen Enge des Biedermeier wurde die großbürgerliche Belle Etage – große Wohnräume, gut gefüllt mit eindrucksvollen Möbeln.

Was Ihr also auf jeden Fall braucht, um Gründerzeit-Möbel aufzustellen wollt, ist Platz. Auch wenn diese Möbel mit einer modernen Wohnlandschaft kombiniert werden sollen, ändert das nichts am Prinzip. Denn die oft klobig wirkenden Schränke, die großen Tische und die schweren Stühle beanspruchen eine feste und dominierende Stellung im Raum, nach denen sich alles andere richten muss. Es ist daher ratsam, sich nur auf ein Modul zu beschränken. Wer einen schönen großen Esstisch mit hochlehnigen Stühlen möchte, ist mit Gründerzeit-Möbeln genau so gut bedient wie Freunde von viel Stauraum im Wohnzimmer, die das mit einem Vertiko und einer Anrichte haben können. Beide Module zusammen erfordern schon eine Raumgröße jenseits der 40 Quadratmeter.

Einrichtung

Das Vertiko hat einen unschlagbaren Vorteil: im Unterteil, einer massiven Kommode mit Schubfächern und Schranktüren, lässt sich extrem viel an Haushaltgegenständen unterbringen. Das Oberteil, der so genannte Aufsatz mit geringer Tiefe, lassen sich repräsentativere Sachen zur Schau stellen. Die Anrichte, meist gleich daneben platziert, ist ein ähnliches Raumwunder, bietet aber ihre gesamte Oberfläche für dekorative Objekte an.

Gründerzeittische erreichen als Auszieh-Variante fast eine Größe, an der man Tischtennis spielen kann. Allerdings müsstet Ihr dann die massiven Stühle irgendwie aus dem Zimmer hinaus bekommen, was bei deren Eigengewicht und Sperrigkeit recht schwierig ist. Ein echter Gründerzeit-Tisch hat außerdem 12 davon – alles nur Beweise, wie wichtig der Platzbedarf ist. Es geht allerdings auch mit kleineren Varianten.

Für Liebhaber massiver Betten ist die Gründerzeit ebenfalls eine phantastische Fundgrube. In der Regel beschränken sich die Wohnzitate aus der Gründerzeit lieber auf Einzelstücke wie eine stilechte Standuhr.

Formen, Material und Farben der Gründerzeit

Massivholz in Kastenform mit reichen Verzierungen – so ließe sich der Gründerzeit-Stil verkürzt darstellen. Entsprechend sind die bevorzugten Holzarten Eiche oder Nussbaum. Die Farben mussten unbedingt dunkel und erhaben wirken. Das ebenfalls verwendete Kiefernholz wurde deshalb kräftig gebeizt. Damit die Wirkung nicht zu düster wird, brechen gedrechselte Säulen, Pilaster, Kapitelle, Kannellierungen und modellierte Reliefs die Ansicht auf. Kugelförmige Füße (bei den Stühlen gedrechselt oder mit geometrischen Formen kombiniert) dienen ebenfalls dazu, die Wucht der Wirkung zu verringern. Hinzu kommen kunstvolle und glänzende Messingbeschläge sowie Lederbezüge für Stühle und Sessel.

Salopp gesagt: mit dem Gründerzeit-Stil habt Ihr viel Holz in der Hütte, und einen dunklen Charakter noch dazu. Viel Licht durch die Fenster und Möbel, die der Wirkung ihre Dominanz nehmen, sind gefragt. Mit Kontrasten kommt Ihr gegen die Gründerzeit-Möbel allerdings kaum an. Sofas sollten also hochlehnig, aber heller, und andere Einrichtungsgegenstände nicht zu klein sein. Wenn Ihr diese Fragen allerdings löst, habt Ihr ein absolut seriös wirkendes Wohnzimmer.

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