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Retro Wohnstil

Retro ist ein Phänomen. Aller paar Jahre leben auf einmal die Trends vergangener Zeiten wieder auf und bereichern das aktuelle Design um exotische Farbtupfer: die bunten Dekors der Flower-Power-Ära, die mit Punkten übersäten Kleider der V-Linie von Christian Dior, die Zweisitzer im Wohnzimmer. Jede nachwachsende Generation entdeckt den Charme der Jahrzehnte immer wieder neu. Als Led Zeppelin mit dem Sohn des verstorbenen Drummers John Bonham ihr großes Re-Union-Konzert probte, war dieser es, der den alten Kämpen in Erinnerung rief, wie sie einstmals ihre berühmten Titel im Konzert beendet haben.

Mit dem immer schneller werdenden Umschlag von Design-Ideen im 20. Jahrhundert werden diese ständig neu variiert. Hielt sich der Barock noch 200 Jahre, so überlagerten sich im 19. Jahrhundert bereits drei Stilepochen, die sich im 20. Jahrhundert dann gänzlich auflösten. Retro ist im heutigen Verständnis der Stil der 50er, 60er, 70er und 80er Jahre. Im weiteren Sinne steht der Begriff „Retro“ für alles Vergangene, das nicht unter den Begriff Antiquität (Produkte einer Stilepoche) gefasst werden kann. Er reicht demzufolge von de 20er Jahren bis zu den ersten Commodore-Computer-Modellen.

Das Faszinierende an Retro ist, dass unser heutiges funktionalistisches Prinzip in den Designformen vergangener Jahrzehnte bereits modelliert worden ist, die somit immer wieder neue Anwendung finden können. Mit ihrer charakteristischen Ausstrahlung treffen bilden sie Alternativen zum aktuellen Design oder lassen sich mit diesem verbinden.

Retro Einrichtung

Der Vorteil von Retro ist, dass viele Produkte heute noch als Originale verfügbar sind. Allerdings waren sie dem Verschleiß von Jahrzehnten ausgesetzt und entsprechen in den wenigsten Fällen unseren heutigen Ansprüchen an ein perfektes Aussehen. Das gilt insbesondere für Möbel. Selbst Kunststoff- oder Formholzmöbeln ist anzusehen, dass sie nicht mehr „taufrisch“ ist. Retro-Originale werden deshalb lieber sorgfältig aufpoliert und als einzelne Accessoires eingesetzt.

Wer seine Wohnung oder ein Zimmer im Retro-Stil einrichten will, hat trotzdem kein Problem. Denn viele Hersteller legen Retro-Linien in ihrem Möbel-Angebot auf, so dass die beliebten Stücke oder auch ganze Module in der Qualität von heute zur Verfügung stehen. Oft werden sogar Produktserien früherer Jahre wieder aufgelegt. Allerdings wird meist nicht „Retro pur“ angeboten, sondern eher die Symbiose von modernen Gebrauchswerteigenschaften und retrospektivem Design gepflegt. Retro-Möbel lassen sich daher hervorragend mit einzelnen Original-Accessoires kombinieren.

Kennzeichen des Retro-Stil

Retro-Stil ist vor allem Schwung, knallige Wirkung und Kontraste. Das kommt besonders in Produkten mit flächiger, d.h. grafisch dominierter Gestaltung zum Ausdruck. Auf Objekte wie z.B. Möbel übertragen, bedeutet das vor allem runde Formen, auffallende Linienführungen und offene Gestaltung. Typische Einrichtungsgegenstände für die Retro-Jahrzehnte sind z.B.

  • Nierentische und Schränke mit Glasscheiben, 50er Jahre
  • Sitzmöbel aus Kunststoff mit bunten Bezügen, 60er Jahre
  • Leichtmetallmöbel und grelles Textildesign, 70er Jahre
  • Wohnwände und Sitzmöbel im Material-Mix, 80er Jahre

Bevorzugte Materialien der Retro-Einrichtung sind Teakholz (das gibt den schönen dunklen Ton), Formholz (unter Hitze verformtes Holz für schwungvolle Formen z.B. bei Stühlen) Kunststoffe inkl. Schaumstoffe und Plexiglas, Baumwolle und Leinen. Das Design ist in jedem Falle gewagt, unbekümmert experimentierfreudig und geometrisch-spielerisch. Eine typische Farbkombination ist Grün-Orange. Stilbildende Retro-Möbel sind der "Panton-Chair" aus einem Guss, der Sessel "Blow" zum Aufblasen oder der Sitzsack "Sacco", gefüllt mit Styropor-Kugeln. Berühmte Designer der 50er, 60er und 70er Jahre waren Alvar Aalto, Max Bill, Harry Bertoia, Achille Castiglioni, Charles und Ray Eames, Egon Eiermann, Poul Henningsen, Isamu Noguchi, Pierre Paulin oder Gaetano Pesce.

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